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Abenteuer Donaudelta

Abenteuer Biosphärenreservat Donaudelta / Dobrogea 2011

Eine Schifffahrt für wahre Naturfreunde und nicht ausschließlich für Vogelfreunde, Ornithologen, Birder (auch wenn diese ganz speziell auf ihre Kosten kommen)


Für 2011 ist eine Exkursion geplant, vorausgesetzt es kommen mindestens 14 Teilnehmer zusammen:
Sonntag. 8. Mai 2011 - Samstag, 21. Mai 2011

(Delta +Dobrogea): Wir empfehlen die einzigartige Kombination von Donaudelta + Dobrogea, die sich großer Beliebtheit bei den Teilnehmern erfreut. Die zwei benachbarten Regionen bieten zum Teil unterschiedliche Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten und auch kulturhistorische Zeugnisse. Alle Infos hier


Anmeldungen: Ab sofort bei
Petra Hillinger
ehrenamtliche mare-mundi Mitarbeiterin
Referentin für die Feldstationen Seychellen und Krk & Donaudeltaexkursionen
Bozner Strasse 11
5020 Salzburg
mobil: +43/664/3132870
mail: petra.hillinger@mare-mundi.eu

Ein Informationsblatt über frühere Reise als Beispiel können Sie hier laden.

© Dr. Robert Hofrichter fnz/RSEC (Verwendung der Daten nur mit Erlaubnis des Autors und anschließender Nennung des Copyrights)

Eines der besten und kompetentesten Bücher über das Donaudelta (wenn nicht das beste überhaupt) stammt von Dr. Kiss J. Botond, der viele Jahre oder eher schon Jahrzehnte seines Lebens dem Studium und Schutz dieser einzigartigen Region gewidmet hat. Leider ist es nur in Ungarisch erhältlich (A Duna-delta könyve, AVES Foundation, 1999). Viele Informationen der folgenden Darstellung stammen aus diesem Buch.

Das Donaudelta in Stichwörtern
Das Donaudelta ist nach dem Wolgadelta das zweitgrößte Flussdelta Europas. Die Donau ist mit 2850 Kilometer der zweitlängste Fluss Europas, wiederum nach der Wolga mit 3530 Kilometern. Von dem 5640 Quadratkilometer großen Areal gehören etwa vier Fünftel zu Rumänien, der Rest zur Ukraine. Das Delta wird von drei großen Flussarmen gebildet: Chilia, Sankt Georg und Sulina. Die Landschaft ist durch Schilf und Sumpfpflanzen geprägt; in den einzelnen Armen treiben schwimmende Inseln aus verschlungenen, ineinandergewachsenen Schilfpflanzen. Das Donaudelta gehört zu den bedeutendsten Naturreservaten Europas mit reichlicher Fauna. Zu den Besonderheiten der Vogelwelt zählen Rosa- (Pelecanus onocrotalus) und Krauskopfpelikane (P. crispus), die vom großen Fischreichtum des Deltas profitieren. Die Belastung des Donauwassers mit Schadstoffen und die intensive Landwirtschaft bedrohen jedoch das Naturparadies.

Die Donau und das Donaudelta in den Eiszeiten
Sowohl der große Fluss Europas als auch sein Delta hatten im Quartär eine mehr als wechselhafte Geschichte. Vor den Vereisungsphasen des Pleistozäns lag die Donaumündung wahrscheinlich auf dem Gebiet des heutigen Oltenita, vielleicht in der Nähe des Greaca-Sees. Während der Riss-Kaltzeit (250.000-125.000 Jahre vor heute) folgte die Donau dem heutigen Carasu-Tal (entspricht ungefähr der Lage des Donau-Schwarzmeer-Kanals). Einige tausend Jahre später drehte sich der Flussverlauf gegen Norden und das Wasser ergoss sich in einem langen Trichterdelta ins Meer, welches bis in die Region des heutigen Isaccea reichte. In der Würm-Kaltzeit (75.000-10.000 Jahre vor heute), wie auch schon in den Kaltzeiten davor, lag der globale Meeresspiegel wesentlich tiefer als heute (eustatische Meeresspiegelschwankungen). Große Bereiche des Kontinentalschelfs lagen trocken und das Wasser der Urdonau mäandrierte damals über eine mindestens 200 km breite, schlammige Ebene dem Meer entgegen. Dabei nahm es sämtliche Flüsse von Budzsák und der Ukrajine auf - nämlich Dnjester, Bug und Dnjepr. Mammuts und Wollnashörner wanderten damals an den Ufern des Flusses umher, während Homo sapiens mit aus Knochen gefertigten Harpunenspitzen schon damals Fische der Urdonau und des Mündungsgebiets jagte. Das Angebot musste zu jener Zeit überwältigend gewesen sein.
Das Donaudelta - wie wir es heute kennen - ist erdgeschichtlich gesehen sehr jung, gerade erst 8.000 bis 10.000 Jahre alt. Noch wesentlich jünger, nämlich nur einige Jahrhunderte, sind die nördlich von Chilia liegenden nördlichen Bereiche des Deltas. Die durch den Fluss unentwegt herangetragene Sedimentfracht lies das Land immer breiter und das Meeresbecken immer enger werden. Ehemalige Hafenstädte wie Chilia und Istria (nicht zu verwechseln mit Istrien in der Nordadria) haben ihren Anschluss zum Meer längst verloren. Das Meer „wanderte“ unter den einstigen Hafenmolen dieser Städte über Jahrhunderte immer weiter hinweg.

Die drei großen Arme des Deltas

1. Chilia
Chilia ist der größte und „produktivste“ Arm des Deltas – zugleich auch der nördlichste. Er ist 116 Kilometer lang und bildet die natürliche Grenze zwischen Rumänien und der Ukraine. Bereits 10 Kilometer flussaufwärts von Tulcea, der großen Delta-Stadt, bei Izmail, zweigt er vom „geraden Weg“ des mittleren Sulina-Kanals ab und windet sich in weiten Mäandern zuerst nach Norden, später dann nach Osten. Dieser Seitenstrom ist der eigentliche Hauptstrom des Donaudeltas, zumindest was die Wasserführung betrifft. Immerhin 58 Prozent des Donauwassers gelangen über ihn ins Schwarze Meer, das sind je nach Führung zwischen 1.300 und 22.000 Kubikmeter in jeder Sekunde.
Der Chilia-Kanal bildet sozusagen eine eigene, 243.000 Hektar große „Filiale“ des Deltas, denn kein anderer Arm verzweigt sich so stark wie dieser in letztlich mehr denn zwei Dutzend Flüssen und Flüsschen auf.
2. Sulina
Der mittlere Sulina-Kanal führt aus Tulcea mehr oder weniger geradlinig von West nach Ost ins Meer und bildet damit den wichtigsten Weg für die Schifffahrt. Gemessen an der Wasserführung ist er aber mit 18 Prozent der unbedeutendste der drei Arme. Auf dem kürzesten Weg zum Meer – das widerspiegelt menschliche Bedürfnisse mehr als die natürliche Neigung eines Flusses, derartige geometrische Formen auszubilden, denn Flüsse mäandrieren bekanntlich. Tatsächlich bewegten zwischen 1858 und 1902 unzählige Menschenhände sowie durch sie gelenkte Maschinen Millionen Kubikmeter Erdreich, um die natürliche Form in eine unnatürliche – dafür aber für die Schifffahrt praktischere – zu verwandeln. Von seinen alten Mäandern, wurde der Sulina-Kanal schon Ende des 19.Jahrhunderts abgeschnitten, sein Wasser wurde in neue, gerade Kanäle gezwängt. Seine ursprüngliche Länge von 93 Kilometer reduzierte sich auf knapp 63. Seitdem sind die zuständigen Behörden unermüdlich damit beschäftigt, den Kanal etwa 7,3 Meter tief und damit für Ozeanschiffe befahrbar zu erhalten und das vom Fluss herangetragene Sediment auszubaggern.
3. St.Georg
Die verbleibenden 23 Prozent des Donauwassers bahnen sich den Weg über den südlichen St.Georg-Kanal, der zugleich die nördliche Abgrenzung der Dobrudscha-Ebene bildet. Trotz vieler Eingriffe der letzten 150 Jahre zeigt dieser Kanal stellenweise ein recht ursprüngliches Gesicht. Hier sind ursprüngliche Landschaften und die abwechslungsreichste Tier- und Pflanzenwelt zu finden.

Das Donaudelta als Labyrinth
Zwischen den drei großen Kanälen haben Natur und Mensch unzählige weitere Wasserwege geschaffen, manche selbst für größere Boote befahrbar, andere verzaubert, schilfbewachsen und eher etwas für Entdeckernaturen. Allerdings müssen sich selbst ortskundige Fischer vor diesem unübersichtlichen Labyrinth in Acht nehmen. Manchmal spielen nämlich die unzähligen schwimmenden Schilfinseln - im Delta plaur genannt (vom slawischen Wort plavaty, schwimmen, abgeleitet) – den Menschen einen bösen Streich. Wind und Strömung treiben sie je nach Laune selbst quer durch große Wasserflächen, ordnen sie zu völlig neuen Landschaften an. Die plaurs verstopfen Ab- und Zuflüsse sowie Kanäle, öffnen dafür solche, die vorher nicht da waren, gestalten neue Ufer, um vielleicht nur eine Halbe später alles wieder aufs Neue umzugestalten. Nicht wenige Fischer erlebten böse Überraschungen, wenn sie den nach Hause führenden, seit Menschengedenken immer schon da gewesenen Kanal, nicht mehr vorfanden. Wie viele Menschen den Weg in ihre Häuser nie zurück fanden und vom Delta verschluckt wurden, wird für immer ein Geheimnis der weiten, verwirrenden Schilfwildnis bleiben.

Allgemeines über Flussmündungen, Deltas und Feuchtgebiete

Durch die Abnahme der Fließgeschwindigkeit des Flusses im Mündungsbereich kommt es zu verstärkter Sedimentablagerung und Bildung von Deltas. In der Folge lässt das eingebrachte Sediment Nehrungen, Lagunen und weitere geomorphologische Formen entstehen. Im Meer entstehende Deltas dehnen sich in horizontaler Richtung weiter aus als solche in Süßwasserseen: Das leichtere Flusswasser „schwimmt“ auf dem dichteren Meerwasser, die vertikale Durchmischung ist geringer, und die Flusssedimente werden über eine größere Distanz transportiert.
Ob ein Fluss ein Delta ausbildet, hängt von zahlreichen Faktoren ab, so von der Menge der Sedimentfracht (es muss mehr Sediment herangetragen werden, als die Wellen und Strömungen wieder abtragen), von der Topographie der Küste (flaches Wasser vor der Flussmündung fördert die Deltabildung), der Exponiertheit der Küste (an relativ geschützten Küsten ist die Deltabildung wahrscheinlicher als an stark exponierten Küsten) und schließlich von den Gezeitenunterschieden (je geringer der Tidenhub, desto wahrscheinlicher ist die Deltabildung). Es geht also um ein Gleichgewicht von ablagernden und abtragenden Prozessen, das durch Einflüsse leicht gestört werden kann.
Deltas werden in lexikographischer Sprache trocken als „Aufschüttungen fluvialer Lockersedimente vor einer Flussmündung ins Meer“ definiert. Ökologisch betrachtet kann ihre Bedeutung – wie jene von Feuchtlebensräumen überhaupt – kaum hoch genug eingeschätzt werden: Mündungsbereiche größerer und selbst kleinerer Flüsse und benachbarte Feuchtlebensräume (Lagunen, Salzmarschen, engl. wetlands) gehören zu den wertvollsten und reichhaltigsten Lebensräumen im Küstenbereich des Mittelmeeres.
Etwa die Hälfte der europäischen Vogelfauna sind Bewohner von Feuchtgebieten, auch sind etwa 30 Prozent der Pflanzenarten mehr oder weniger stark an solche Lebensräume gebunden. In den meisten Organismengruppen ist die Biodiversität in Feuchtlebensräumen besonders hoch, so auch bei den Insekten, von denen hunderte Arten in ihrem Lebenszyklus zumindest ein aquatisches Stadium haben. Allein in Italien gibt es in Feuchtgebieten etwa 500 Arten der Käferfamilie Carabidae. Manche Autoren zählen daher die küstennahen Feuchtgebiete des Mittelmeerraumes zu den am stärksten bedrohten Ökosystemen der Welt (Blondel und Aronson, 1999), eine Ansicht, die durch folgende Zahlen gestützt wird: In der Zeit des Römischen Imperiums hat es allein auf der Apenninhalbinsel etwa 3 Mio. ha Feuchtgebiete gegeben, zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren es 1,3 Mio. ha, 1991 nur noch 300.000 ha. Im gesamten Mittelmeerraum existierten 1995 2.850.000 ha Feuchtlebensräume.

Die Küstenlinie verschiebt sich dort, wo der Sedimenteintrag dominiert, in Richtung Meer; dadurch liegen viele ehemalige Küstenstädte, beispielsweise Adria (das antike Atria, ein Städtchen im Podelta, von dem das Adriatische Meer den Namen erhielt) heute etliche Kilometer vom Meer entfernt. Nach der Reduzierung der Sedimentfracht kann es jedoch zu einer entgegengesetzten Entwicklung, zur Erosion der Küste kommen.
Die Form eines Flussdeltas – der Name ist vom griechischen Buchstaben Delta abgeleitet – hängt von den Eigenschaften des Flusses und seines Einzugsgebiets sowie von den Gezeiten- und Strömungsverhältnissen und der Exposition des Mündungs- und angrenzenden Meeresbereichs ab. Das Mittelmeer mit seinem geringen Tidenhub und der (ursprünglich) großen Sedimentfracht der meisten Flüsse fördert die Entstehung klassischer, bogenförmiger Deltas wie das Nildelta mit etwa 20000 km2 Fläche. Wenn die Materialschüttung hoch und die Gezeiten bzw. die Exposition gering ist, entstehen fingerförmige, sich ins Meer vorschiebende Deltas (Ebrodelta mit einer Fläche von 285 km2). Das Tiberdelta hingegen ist wegen der starken Strömungen und Welleneinwirkung ein so genanntes Spitzdelta.
Trichterförmig erweiterte Flussmündungen werden Ästuare (Trichtermündungen) genannt. Sie entstehen nur, wenn die Sedimentfracht gering ist, der Tidenhub hingegen hoch, die Abtragung also die Materialschüttung überragt.
Das flache, sich unter natürlichen Bedingungen jedes Jahr weiter in Richtung Meer ausbreitende Land im Deltabereich ist fruchtbar, weist eine Vielzahl verschiedener Lebensräume auf, die in unterschiedlichem Ausmaß vom Salz- und Süßwasser geprägt sind. Die Artendiversität im Mündungs- und Deltabereich ist der Vielfalt der Habitate entsprechend hoch. So kommen im Ebrodelta in Spanien – mit 285 km2 Fläche ist es das viertgrößte Delta an den Mittelmeerküsten – mehr als 250 Vogelarten vor, was über 60 Prozent der Vogelarten Europas entspricht. Gleichzeitig werden hier etwa 20 Prozent der gesamten spanischen Reisproduktion gewonnen; Fischerei und Aquakultur (vor allem Muschelzucht) spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Als Folge der hohen Artendiversität und Produktivität stehen Flussdeltas oft im Spannungsfeld zwischen der Nutzung durch den Menschen und dem Umwelt- und Artenschutz.
Die größten Deltas und das gesamte Einzugsgebiet der mediterranen Zuflüsse sind in Abbildung 3.44 dargestellt. Große Deltabereiche – wie auch große Flüsse – sind nicht besonders zahlreich. An den europäischen Küsten sind es vor allem jene des Ebro, der Rhône (1740 km2), des Tiber und des Po; an der afrikanischen Küste erstreckt sich das größte Deltasystem des Mittelmeeres, jenes des Nils. Auch kleinere Flüsse, so der Llobregat südlich von Barcelona, können ausgedehnte Deltas ausbilden. Die afrikanische Mittelmeerküste ist nur im Bereich des Atlasgebirges reicher an Flussmündungen; dann folgt ostwärts bis zum Nildelta eine nahezu flussfreie Zone, in der sich das aride Wüstenklima dieser Region widerspiegelt.

Störe und das „Schwarze Gold“ der Region
aus: Hofrichter (Hrsg), 2001, Das Mittelmeer

Störe gehören zu den ältesten noch lebenden Süßwasserfischen der Erde – es gibt sie seit 200 Millionen Jahren. Mit ihrer heterocerken Schwanzflosse und den Reihen von Knochenplatten muten sie recht seltsam an. Die Acipenseriformes (Störartige) sind ein Taxon der Chondrostei (Knorpelganoiden), die zu den Strahlenflossern (Actinopterygii) und Knochenfischen (Osteichthyes) zählen.
Der Fang der Fische, die wegen ihres grätenlosen Fleisches seit langem hoch geschätzt werden, hat eine Jahrtausende alte Tradition. Bereits 3500 v. Chr. wurde an der Donau eine intensive Störfischerei betrieben, hauptsächlich mit Harpunen und mithilfe von Holzzäunen. Im Bereich der Wolga geht der Störfang auf das 2. Jahrhundert zurück. Der Fang war lange Zeit nur auf die Flüsse beschränkt, erst im 19. Jahrhundert dehnte man ihn auf das Meer aus. Die massive Überfischung hatte einen Rückgang der Bestände zur Folge, der bereits im Mittelalter einsetzte; Ende des 19. Jahrhunderts führten intensive Gewässerverbauung und -verschmutzung zur Gefährdung der Störe. Das Fleisch der Störe wurde im Altertum auch rund um das Mittelmeer geschätzt, dochblieb es meist (jedoch regional unterschiedlich; z. B. nicht im Donauraum) den Speisekarten der Herrscher vorbehalten. In China waren bestimmte Störgerichte ausschließlich für die Tafel des Kaisers bestimmt; im alten Rußland gehörte es zu den Vorrechten der reichen Adeligen und der Herrscher, Störe für sich zu beanspruchen. Nicht nur das geschmackvolle Fleisch, vor allem der wertvolle Rogen macht den Störfang so lukrativ. Die Eier des Hausen oder Beluga gelten als ausgesuchte Delikatesse, die seit Jahrhunderten oft teurer als Gold gehandelt wird. Weibliche Hausen produzieren 6.000–7.000 Eier je Kilogramm Körpergewicht, Störe (Acipenser sturio) sogar 12.000 bis 34.000 Eier/kg. Zur Gewinnung des Kaviars werden die Tiere getötet, die Ovarien entnommen, die Eier aus den Eierstöcken getrennt, mit Salzwasser gewaschen und verpackt. Zentrum des Kaviarhandels ist nach wie vor das Kaspische Meer. Ukraine und Russland, die Nachfolgestaaten der Sowjetunion, produzieren etwa 1300 Tonnen Kaviar pro Jahr, gefolgt vom Iran mit 200 Tonnen. Die Preise lassen Kaviar zu Recht als schwarzes Gold erscheinen: Ein Kilogramm Belugakaviar bester Qualität wird ab 5000 DM gehandelt.
Der beeindruckendste aller Störverwandten ist der Hausen oder Beluga (Huso huso), der in der Nördlichen Adria, im Kaspischen, Asowschen und Schwarzen Meer und ihren Zuflüssen vorkommt bzw. vorgekommen ist. Als größter Süßwasserfisch der Erde erreicht er über 8 m Länge und ein Gewicht von 1400 kg (heute wohl eine Seltenheit, im Durchschnitt sind die gefangenen Tiere bis 2,6 m lang). Hausen können 100 Jahre alt werden. Weitere wichtige Arten sind der Sternhausen (Acipenser stellatus; bis 2,2 m lang und 68 kg schwer; maximales Alter: 35 Jahre), der Waxdick (A. gueldenstaedti, bis 2,3 m lang und 110 kg schwer, maximales Alter: 50 Jahre), der Glattdick (A. nudiventris), der eine Sonderstellung einnimmt, da er als Adulter sowohl im Meer als auch im Süßwasser leben kann. Süßwasserstämme dieser Art unternehmen wie der Sterlet (A. ruthenus) Laichwanderungen innerhalb der Flusssysteme.
Der Gemeine Stör (A. sturio) ist die einzige in ganz Europa vorkommende Störart, der Adriastör (A. naccarii) wird 2 m lang, große Exemplare sind heute allerdings sehr selten. Beide kommen in Deltabereichen und Flussmündungen vor und wechseln zwischen Meer und Süßwasser. A. naccarii lebt in der nördlichen und östlichen Küstenregion der Adria und deren Zuflüssen; in der Laichzeit steigt er in die Flüsse der norditalienischen Tiefebene wie Po, Etsch, Tagliamento auf. Acipenser gueldenstaedti, A. stellatus und Huso huso halten sich meist im brackigen Meerwasser auf. Die Mehrzahl der Störe sind anadrome* Wanderfische, die aus dem Meer in die Flüsse zum Laichen aufsteigen und dabei bis zu 1000 Kilometer zurücklegen. Wehrbauten und Kraftwerke behindern ihren Aufstieg und führen letztlich zum Artenrückgang.

Das Schwarze Meer

Schwarzes Meer, Asowsches Meer, Kaspisches Meer und Aralsee sind Restmeere der Paratethys. Das Becken wurde früher von manchen Autoren etwas unscharf als Sarmatischer Binnensee bezeichnet; dieser erhielt seinen Namen nach dem Volk der Sarmaten, das im Altertum die Steppengebiete nördlich des Schwarzen Meeres bewohnte. Das Binnengewässer erstreckte sich über Jahrmillionen vom heutigen Ungarn über große Teile der Balkanhalbinsel bis zum Aralsee. Unter Sarmatia versteht man den südöstlichen, die Osteuropäische Tafel und Podolien einschließenden Teil des Urkontinents Fennosarmatia, der zusammen mit Fennoskandia (Teile Nordeuropas) den Kern des europäischen Kontinents bildet.
Sarmatian ist auch der Name einer geologischen Stufe des Mittleren Miozäns (vor 13–11,5 Mio. Jahren) im Bereich der einstigen Paratethys.
Die Paratethys war im Miozän vom Weltmeer abgeschnitten und im Laufe ihrer Geschichte immer wieder weitgehend ausgesüßt, die Aussüßungsphasen wurden jedoch durch Meerwassereinbrüche unterbrochen. Durch die Auffaltung des Kaukasus am Ostufer des heutigen Schwarzen Meeres und weitere Landhebungen im Pliozän wurde der große Binnensee in mehrere kleinere Becken getrennt, von denen das Pontische und das Kaspisch-aralische bis heute existieren. Dramatische Auswirkungen auf die ganze Sarmatische Region hatten die Glaziale des Pleistozäns. Neben der allgemeinen Abkühlung kam es durch Hebungen und Senkungen des Meeresspiegels wiederholt zur Entstehung und Eliminierung von Meeres- und Landverbindungen und zum bereits erwähnten Wechsel der Salinität mit weitreichenden ökologischen Folgen. Zwischen dem Pontischen Becken (Schwarzes Meer) und dem Kaspisch-aralischen Becken (Kaspisches Meer und Aralsee) auf der
einen und dem Mittelmeer auf der anderen Seite traten Verbindungen auf, die in geologisch gesehen relativ kurzer Zeit wieder unterbrochen wurden. Die einstigen Verbindungen erklären die biogeographische Verwandtschaft mariner Faunen- und Florenelemente (z. B. Zostera noltii) zwischen so unterschiedlichen Gewässern, wie das Mittelmeer und die Aralsee es sind.
Nahe verwandte Relikte limnischer und auch mariner Faunen sind heute in brackischen Randbereichen wie Lagunen, Flussmündungen und Deltas in allen Restgewässern des Sarmatischen Binnensees, im Schwarzen, Asowschen und Kaspischen Meer und im Aralsee zu finden. So leben hier z. B. zahlreiche endemische Arten von Grundeln (Gobiidae) atlantisch-mediterraner Abstammung mit kleinen Verbreitungsarealen.
Eustatische Schwankungen des Meeresspiegels während des Pleistozäns führten auch in erdgeschichtlich neuerer Zeit dazu, dass das Schwarze Meer vom Mittelmeer getrennt und durch seine zahlreichen großen Zuflüsse weitgehend ausgesüßt war. Noch während der letzten Eiszeit waren die Meerengen von Bosporus und Dardanellen trockengefallen, und erst nach dem Ende der letzten Eiszeit (Würm) fand das Schwarze Meer erneut Anschluss an das Mittelmeer. Über die Meerengen gelangte erneut Meerwasser hoher Salinität in das Pontische Becken, mit ihm große Teile der heutigen marinen Fauna, die nahezu ausschließlich atlantisch-mediterranen Ursprungs ist. Über die erwähnten Meerengen und das dazwischenliegende Marmarameer steht das Schwarze Meer mit der Ägäis und dem Östlichen Mittelmeer in Verbindung, über das Mittelmeer und die Straße von Gibraltar mit dem Atlantik und somit dem Weltmeer.
Die Fläche des Schwarzen Meeres, das man als ein Brackwasser-Nebenmeer des Mittelmeeres umschreiben könnte, umfasst mit 452000 Quadratkilometer nur etwa ein Fünftel des Mittelmeeres. Die größte west-östliche Ausdehnung beträgt 1148 km, die nord-südliche rund 615 km, wobei die schmalste Stelle zwischen der Südküste der Halbinsel Krim und der anatolischen Küste liegt. Das Schwarzmeer-Becken ist über weite Teile 2000 m tief, seine mittlere Tiefe beträgt 1270 m. Entlang weiter Küstenabschnitte, so an der türkische Küste, hat das Schwarze Meer nur ein schmales Schelf und einen steil abfallenden Kontinentalabhang. Hier, im südlichen Teil findet sich die größte Tiefe des Schwarzen Meeres mit mehr als 2240 m. Im West- und Nordteil gibt es ausgedehnte Schelfzonen mit Tiefen unter 100 m. Die Küste ist im Westen und Norden ebenes Flachland, im Süden und Osten sowie im südöstlichen Teil der Krim ist die Landschaft gebirgig.

Geographie und Wirtschaft
Anrainerstaaten des Schwarzen Meeres sind die Ukraine im Norden, Russland im Nordosten, Georgien im Osten, die Türkei im Süden, Bulgarien und Rumänien im Westen. In der Sprache der Anrainerstaaten heißt das Schwarze Meer Chorne More (Ukraine), Tschernoje More (Russland), Kara Deniz ( Türkei) und Marea Neagra (Rumänien). Die wichtigsten Flüsse, die ins Schwarze Meer münden, sind Donau, Dnjestr, Dnjepr, Don und Kuban, die beiden letzteren über das Asowsche Meer.
Für die Wirtschaftsbeziehungen und den Handel Russlands und der Ukraine ist das Schwarze Meer von großer Bedeutung. Das gilt für den Handel mit dem Nahen Osten ebenso wie für den Binnenhandel, besteht doch seit 1952 über den Wolga-Don-Kanal und über die Wolga eine Verbindung sowohl mit dem Kaspischen Meer als auch der Ostsee und dem Weißen Meer. Die wichtigsten Schwarzmeerhäfen sind Iljitschowsk, Odessa, Nikolajew, Cherson, Sewastopol und Kertsch in der Ukraine, Rostow am Don und Noworossijsk in Russland, Batumi in Georgien, Trabzon, Samsun und Istanbul in der Türkei, Warna in Bulgarien und Konstanza in Rumänien. Das Schwarze Meer ist einerseits ein wichtiger Handelsweg, dessen militärisch-strategische Aspekte nicht zu unterschätzen sind; andererseits ist es nach wie vor für den Fremdenverkehr von Bedeutung, wenngleich das Gebiet nach dem Zerfall des Ostblocks stark an Bedeutung verloren hat. Die klimatisch begünstigte Halbinsel Krim wird von Russen bevorzugt, in Rumänien sind es Mamaia, Eforie und Mangalia, in Bulgarien Goldstrand und Druschba bei Warna sowie der Sonnenstrand bei Nessebar.

Klima
Im südlichen und südöstlichen Teil des Schwarzmeergebietes ist das Klima dem des Mittelmeeres ähnlich – es zeichnet sich durch trockene, heiße Sommer und regenreiche, milde Winter aus. Der nördliche Teil und vor allem der Nordwesten ist jedoch bereits kontinental geprägt. Kalte Nordost- und Nordwinde können im Winter die Temperaturen mit bis zu –30 °C vor allem im Kaukasusgebiet empfindlich nach unten drücken. Die mittleren Temperaturen liegen im Januar zwischen 6 und 9 °C im Südosten und bei –3 °C im Nordwesten; die Werte erreichen im Juli im Norden 22–23 °C, im Süden 24 °C. Die geringsten Niederschlagsmengen fallen an der Nordwestküste mit 300 mm; sie steigen nach Osten und Südosten auf 1500–2500 mm pro Jahr an, wobei das Maximum im Winter erreicht wird. Die mittleren Temperaturen an der Wasseroberfläche betragen im August 22–24 °C, in Küstennähe sogar 26–28 °C. Im Februar fällt die Temperatur auf 8 °C im Süden und auf 0 °C im Norden ab, so dass sich hier in Küstennähe für durchschnittlich 50 Tage im Jahr (Januar/Februar) Fest- und Treibeis bildet.

Geschichte und Erforschung
Im 7. Jahrhundert v. Chr. drangen die Griechen in das von ihnen Pontos Euxeinos (auf Latein Pontus Euxinus) genannte Gebiet um das Schwarze Meer vor, gründeten verschiedene Kolonien, milesische und megarische, und betrieben vor allem entlang der Küste schwunghaften Handel. Getreide und Nüsse, Honig, Hanf, Holz, Holzkohle, Fische und Pferde gehörten zu den Handelswaren – aber auch Sklaven. Skythen, Sarmaten und andere Völker dienten als Arbeitssklaven im alten Griechenland, als Söldner während der hellenistischen Epoche, bis dann die wirtschaftliche und soziale Krise auch die östliche Hälfte des Reiches erfasste. Getreide aus den Kornspeichern Ägyptens und Kleinasiens ließ das Interesse am Schwarzmeermarkt zusehends schrumpfen.
Während die alten Griechen zwar recht gute Kenntnisse über die Küsten des Schwarzen Meeres besaßen, war ihnen das Meer selbst weitgehend unbekannt. Erst im späten Mittelalter, als Venezianer und Genuesen das Gebiet erkundeten, wurden bessere Seekarten erstellt, die so genannten Portolankarten. Die nautische Erforschung des Schwarzen Meeres begann ab dem Ende des 17. Jahrhunderts, als die Großmacht Russland an seinen Küsten erschien. 1856, mit Ende des Krimkrieges, verlor Russland das Recht, im Schwarzen Meer eine Kriegsflotte zu unterhalten – womit die nautische Erforschung unterbrochen werden musste –, doch wurde diese Klausel 1870 wieder aufgehoben.
Im Jahr 1890 wurde die erste ozeanographische Schwarzmeerexpedition organisiert; der Seemeteorologe I. B. Spindler aus St. Petersburg und der Hydrologe Friedrich Ferdinand von Wrangel hatten hierzu ein Kanonenboot zur Verfügung. Zahlreiche Ergebnisse dieser Expedition sind noch heute von Bedeutung – sowohl die Erkenntnisse über Ausdehnung und Tiefe des Schwarzen Meeres als auch, was Wassertemperatur, Salzgehalt, Wasserschichten oder Strömungen betrifft.
Die Salinität des Oberflächenwassers liegt durchschnittlich bei 17 ‰ und geht im küstennahen Nordwestteil im Sommerhalbjahr sogar bis auf 13 ‰ zurück. Zur Tiefe hin nimmt der Salzgehalt sehr langsam zu und erreicht am Boden ca. 22 ‰. Am nördlichen Eingang des Bosporus allerdings konnte bereits durch die Expedition Spindler/Wrangel in einer Tiefe von etwa 85 m ein Salzgehalt von 34 ‰ festgestellt werden – annähernd die Salinität von Mittelmeerwasser. Damit war schon im Jahr 1890 klar geworden, dass aus dem Marmarameer bzw. dem Mittelmeer in der Tiefe salzreiches Wasser in das Schwarze Meer strömt. Die Wassertemperatur ist zur Tiefe hin erstaunlich gleichbleibend und beträgt, bedingt durch die stabile Schichtung, ab 200 m Tiefe bis zum Meeresgrund etwa 9 °C. Zwischen dieser 9 °C kalten Tiefenschicht und der im Sommer bis zu 25 °C warmen oberen Schicht ist eine kalte Zwischenschicht mit etwa 7 °C gelagert.
Die Wasserbilanz des Schwarzen Meeres, dessen Volumen insgesamt 547000 km3 beträgt, ist im Gegensatz zum Mittelmeer positiv. Der Einstrom salzreichen Mittelmeerwassers (ca. 193 km3 jährlich), der Zustrom durch die großen Zuflüsse und vom Asowschen Meer (jährlich über 400 km3) sowie die Niederschläge (humides Klima) führen zu einem beträchtlichen Wasserüberschuss. 245 km3 gehen durch Verdunstung verloren, 348 km3 salzarmes Wasser strömt jährlich an der Oberfläche des Bosporus ins Mittelmeer. Durch Wind und Wellen bedingte Schwankungen des Wasserstandes überdecken meist die sehr schwach ausgeprägten Gezeiten (Tidenhub kaum über 10 cm).
Die extreme Schichtung des Wasserkörpers im Schwarzen Meer mit anoxischen Verhältnissen unterhalb von 200 m ist in Abbildung 3.66 dargestellt. Sie macht klar, welche Bedeutung hydrodynamische Prozesse wie die so genannte thermohaline Konvektion haben; durch sie könnte Sauerstoff in die Tiefen des Schwarzen Meeres gelangen und im Gegenzug dazu wichtige remineralisierte Nährstoffe in die oberflächennahen, lichtdurchfluteten Schichten befördert werden, wo sie den Primärproduzenten zur Verfügung stünden. Ohne eine solche Zirkulation ist jedoch in der Tiefe des Schwarzen Meeres kein höheres Leben möglich; die Schichtung der Wassermassen ist stabil. In dieser Hinsicht ähnelt das Schwarze Meer der Ostsee, einem weiteren europäischen Nebenmeer niedriger Salinität und positiver Wasserbilanz. Allerdings ist die Schichtung der Wasserkörper in der Ostsee bei weitem nicht so streng, treten dort doch gelegentlich thermohaline Konvektionen auf.

Fauna und Flora
Fauna und Flora sind im Schwarzen Meer auf die obersten Wasserschichten beschränkt und ab etwa 100–150 m Tiefe durch Sauerstoffarmut und zunehmenden Schwefelwasserstoffgehalt nach unten hin begrenzt. In dem weitgehend sauerstofffreien, mit Schwefelwasserstoff angereicherten Tiefenwasser können nur anaerobe Bakterien (Schwefelbakterien) überleben.
Der wiederholte Wechsel zwischen marinem und limnischem Einfluss hatte zum Teil dramatische Auswirkungen auf die jeweils aus dem anderen Bereich stammende Organismenwelt. Als das weitgehend ausgesüßte Wasser des Schwarzen Meeres mit Salzwasser vom Mittelmeer vermischt wurde, veränderten sich Fauna und Flora nicht nur im Meer, sondern auch weit in die Mündungsgebiete der Flüsse hinein. Insgesamt ist die pontische marine Fauna und Flora artenärmer als im Mittelmeer (weniger als 200 Fischarten im Schwarzen Meer, über 650 Fischarten im Mittelmeer) und stellt eine verarmte Ausgabe mediterraner Biozönosen dar, in der sich vor allem kälteverträgliche Arten behaupten konnten. Die Fischpopulationen wurden jedoch ebenso wie verschiedene Arten von Krebs- und Weichtieren gegen Ende des 20. Jahrhunderts durch die Wasserverschmutzung erheblich reduziert. Beträchtliche Mengen von Erdölprodukten und Industrieabwässern werden über Donau, Dnjepr und weitere Flüsse zugeführt; Strände müssen immer wieder gesperrt werden.
Biogeographisch können die Restgewässer des „Sarmatischen Binnensees“ als Provinzen der warmgemäßigten mediterran-atlantischen Region angesehen werden. Im Schwarzen Meer wurden bisher etwa 350 zum Phytoplankton zählende Arten (einzellige Algen) und 280 Arten Makrophyten beschrieben, darunter 130 Arten Rotalgen und je 70 Arten von Grün- und Braunalgen.
Eine weltweit einmalige phykologische* Besonderheit sind die ausgedehnten Phyllophora-Wiesen zwischen 10 und 60 m Tiefe. Sie bestehen zu 90 Prozent aus Phyllophora nervosa, vor allem im oberen Bereich, die restlichen 10 Prozent in größerer Tiefe aus P. truncata (= brodiaei), einer Art, die im Mittelmeer fehlt, aber eine weite Verbreitung in der Arktis und der kaltgemäßigt-atlantischen Region hat. Allein diese zwei Phyllophora-Arten sollen etwa 90 Prozent der phytalen Biomasse des Schwarzen Meeres bilden. Im relativ seichten nordwestlichen Schelfgebiet des Schwarzen Meeres entlang der Küsten Rumäniens und der Ukraine bedecken sie 15000 km2 Schlamm- und Muschelboden; mit über 5 Millionen Tonnen Biomasse bilden sie die weltweit größte bekannte Ansammlung von Rotalgen überhaupt. Die Bestände werden nach ihrem Entdecker als „Sernowsche Phyllophora-See“ bezeichnet. 9 Prozent der phytalen Biomasse bestehen aus der Braunalge Cystoseira barbata. In seichten, schlammigen oder sandigen Buchten wachsen die Seegräser Zostera marina und Z. noltii. Krustenbildende Kalkrotalgen können bis 100 m Tiefe vorkommen.
Etwa 650 Arten Crustaceen, mehr als 200 Arten Mollusken und weitere 350 Arten wirbellose Tiere sind aus dem Schwarzen Meer bekannt. Von den über 50 Haiarten des Mittelmeeres kommen im Schwarzen Meer nur drei vor (Squalus acanthias, S. blainvillei, Squatina squatina), von den fünf Arten der im Mittelmeer nachgewiesenen Meeresschildkröten nur die Unechte Karette (Caretta caretta), von den 19 oder 20 Arten Walen und Delfinen des Mediterrans nur der Große Tümmler (Tursiops truncatus), der Gemeine Delfin (Delphinus delphis), der im Mittelmeer sehr seltene und in der Levante völlig fehlende Schweinswal (Phocoena phocoena), äußerst selten der Rundkopfdelfin (Grampus griseus) und möglicherweise der Blau-Weiße Delfin (Stenella coeruleoalba). Die Mittelmeer-Mönchsrobbe (Monachus monachus) wird vereinzelt an Teilen der türkischen Küste gesichtet, sie scheint hier aber nicht zu reproduzieren. Wirtschaftlich bedeutend ist der Fang von kleinen, pelagischen Fischen; im pontischen Becken des endemischen Heringsfisches Clupeonella cultriventris (im Kaspischen Meer C. cultriventris caspia), von dem nach Angaben der FAO zwischen 120000 und 130000 Tonnen gefischt werden, und des bis zu einem Meter langen Steinbutts Scophthalmus maximus maeoticus (Scophthalmidae).

Robben in der Mittelmeerregion und im Kaspischen Meer
Robben sind rund um den Globus in kalten Klimazonen verbreitet. In wärmeren Meeren beschränkt sich ihr Vorkommen auf Gebiete, die durch kalte Strömungen geprägt sind (z. B. Galapagos). Die einzige Ausnahme sind die Mönchsrobben der Gattung Monachus (Phocidae, Hundsrobben). Die am Rand der Ausrottung stehende Mittelmeer-Mönchsrobbe Monachus monachus kommt im Mittelmeer, Teilen des Schwarzen Meeres und in einem kleinen Gebiet an der Nordwestküste Afrikas vor, Monachus schauinslandi lebt als völlig von der Verwandtschaft isolierte Art auf Hawaii. Ringelrobben sind auch im Kaspischen Meer heimisch, das sie von Norden her vermutlich vor- oder zwischeneiszeitlich erreicht haben. Die Population der 1,5 m langen und bis 85 kg schweren Kaspischen Robbe (Phoca caspica) zählt noch etwa 550.000–600.000 Tiere (im Aralsee hat es diese Art entgegen irrtümlichen Angaben in der Literatur nicht gegeben). Im Herbst und Winter halten sich die Robben vor allem in den flachen nordöstlichen Gebieten auf, während sie im Sommer in den Süden mit seinen größeren Tiefen ziehen. Die Kaspische Robbe ähnelt der nahe verwandten, endemischen Baikalrobbe (Phoca sibirica), einer Süßwasserrobbe, die mit etwa 50000 Exemplaren im Baikalsee, dem größten und tiefsten (bis 1600 m) Süßwasserreservoir der Welt, und in angrenzenden Flüssen lebt.

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